Nochmals Gee Hye Lee

Sie unterrichtet an der Fellbacher Musikschule Klavier, Hans Fickelscher (dr, perc) ist ihr Vorgesetzter dort. Er hat seither bei den IG Jazztagen immer das Abschlußkonzert kuratiert, abgefahrene Großformationen namens Jazz@large mit viel Witz und Intelligenz, die in der Halle 3 im Theaterhaus aufspielten. Gee hat sich diesmal als Orchesterleiterin und Komponistin präsentiert, auch mit einem koreanischen Tanz. Sehr beeindruckend. Sie hat eine Platte bei einem Medienkonzern veröffentlicht und war Stipendiatin an der wichtigsten Jazzhochschule auf dem Planeten (Berklee, Boston). Sie ist mittlerweile schon seit 30 Jahren auf der Bühne.

Den Abschluß der 47. Stuttgarter IGJazzTage bestritt als zweiter Teil des Abends der Tenorsaxophonist Lukas Wögler, ein aufstrebender Stern am Jazzhimmel. Auch er dirigierte und komponierte was das Zeug hielt. Das IG Jazz Orchester ist so beschaffen wie eine klassische Big Band. Also vier Trompeten, drei Posaunen, fünf Saxophone, Klarinetten und Querflöten und die Rhythmusgruppe aus Schlagzeug, Kontrabass und Klavier.

Die IG Jazz ist ein Zusammenschluß von hauptberuflichen Jazzmusikerinnen in und um Stuttgart, also der Region. Sie wurde 50 Jahre alt.

Duo SANGEE

Vergangenen Freitag gaben die wunderbare Gee Hye Lee am Klavier und der Tenorsaxophonist Alexander Sandi Kuhn mit eigenem Stil ein geniales Auftaktkonzert des alljährlichen Oktober-Jazz-Wochenende des Kulturamts im Gewölbekeller im Großen Haus (Kino Orfeo). Mit glücklicher Hand gestaltet von Kristiana Becker, selbst Musikerin und angestellt in dem Amt, das 20 % Kürzung seines Etats erleiden mußte.

Und bekanntlich fällt jetzt zu aller Unglück noch die nächste Triennale Kleinplastik aus. Wollen wir hoffen, daß der Pazifismus der Kultur wieder greift. Das ganze Debakel geht nämlich auf die Sonderaktion des Zaren in der Ukraine zurück. Eine Million Flüchtlinge sind selbstverständlich in Deutschland willkommen, aber das kostet halt Milliarden, die dann in aller Gemeindekassen fehlen. Am besten, Selenski und Putin treffen sich jetzt endlich (mit einem Bruderkuß wie seinerzeit Breschniew und Honecker).

Gee und Sandi haben zusammen an der Stuttgarter Musikhochschule Jazz studiert und jeweils beide haben den Landesjazzpreis erhalten. Nach 30 Jahren als Musikerinnen haben beide der Stuttgarter Musikszene ihren ganz eigenen Stempel aufgedrückt. Und das Duo SANGEE gibt es schon länger, beide spielen auch im Quintett zusammen.

Lange Nacht der Demokratie

Ja, die gab es auch in Fellbach am 2. Oktober 2026 und zwar in der Volkshochschule am Bahnhof. Weltladen-Aktivist Winfried Bauer, der die Aktion für Demokratie, Vielfalt und Gerechtigkeit ins Leben gerufen hat, bastelte ein buntes Programm zusammen an dem Abend, das in den drei Stunden nie langweilig war. Die Leiterin der Volkshochschule Unteres Remstal, eine ehemalige Genossin, Doktorin Stefanie Köhler, kam zum Grußwort. Für das Rathaus hielt Karin Rothenhäusler, Amtsleiterin für Soziales und Teilhabe eine Rede. OB Zull hatte sich entschuldigt.

Die Bücherei Lack mit neuer Leitung setzte sich für linke Literatur ein. Der Waiblinger Jungschriftsteller Quintus Gärtner stellte sein Buch bei Rowohlt vor. Er war Bundesschülersprecher und bekam deshalb schon mit 19 Jahren die Gelegenheit, die Interessen der Jugend zu präsentieren, die oft unter denTeppich gekehrt werden. Dann gab es noch ein Filmprojekt mit Flüchtlingen, die Geld sammeln, da alle Sender als Produzentinnen ausfallen. Yakup Ismailoglu vom Türkischen Verein hielt eine freie Rede. Doktorin Lucimara Brait-Poplawski, eine weitere Genossin, berichtete zum Thema Einwanderung aus wissenschaftlicher Sicht.

Kulturbeiträge gab es auch. Coro mi canto von der klassischen Pianistin Poldy Tagle, sang vier Lieder von Mercedes Sosa. Und die Liedergruppe von der Mozartstraße spielte auf. Gekrönt wurde das Ganze von Syrern mit einem Duo Oud und Darbuka und einem Solo auf letzterer. Im Zusammenhang mit dem Flüchtlingstreff PLEKS.

Und hinten im Raum gab es noch Informationsstände und Essen und Trinken. Selbst die Stadtwerke waren als Sponsor und mit Geschäftsführer Gerhard Ammon präsent. Er, der schon beim Neujahrsempfang als Redner geglänzt hatte, hielt sich diesmal sichtlich zurück.

Musikverein Alfdorf

Nachdem Cornelius Häfele von den Altpietistinnen aus Gormadingen predigte, kam beim Straßenfest in Alfdorf deren Musikverein zum Zuge. Sonntag mittag, alles flutschte. Überdachte Schrannen, Essen und Trinken bis zum Abwinken. Die Bewirtung durch die Angehörigen der Musikerinnen war vorbildlich. Ich selbst habe 7 Jahre in Alfdorf gewohnt, dort war die Anbindung zur SPD überwältigend.

Und es legt sich der Vergleich mit der Stadtkapelle Fellbach nahe, die immer das gleiche Stück zum gleichen Tanz beim Fellbacher Herbst praktiziert. Aber der Oberspaßvogel und Sprecher der Fellbacherinnen ist durch die Musikantinnen in Alfdorf nicht zu übertreffen. Florian Ladenburger ist auch eine Hälfte des Komikerduos Woody und Flo, bereits sechsmal zu Gast in meiner Galeere im Radio.

Das Spektrum der Musikvereine ist groß. Gassenhauer werden gefolgt von Marschmusik, Polkas, Popstücke. Es geht bis zum Soul. Der Jazz ist hier Fehlanzeige.

Gee Hye Lee in der Kiste

Die Überfliegerin von der Musikschule in Fellbach trommelte am 1. August 2026 ein Quintett mit herausragenden Jazzmusikerinnen zusammen. Als da waren Ameli Schuster (voc) aus Berlin, Jakob Bänsch (tp) aus Köln und die Rhythmusgruppe bestand aus drei Stuttgarterinnen: Joel Locher (b), Marcel Gustke (dr) und eben Gee Hye Lee (p). Die Fünf legten an diesem lauen Sommerabend los, daß es eine Freude war. Schweißtreibend und zupackend. Der Stuttgarter Jazzclub Die Kiste, in der Gee vor Jahren ihre legendären Geenious Mondays veranstaltete, bot diesem Ausnahmetalent mal wieder eine Plattform. Hot nights, cool music war das Konzert überschrieben und nicht zu viel versprochen, die Kiste mit Stehplätzen und Barhockern, vor zwei Jahren umgebaut, war rappelvoll. Wenn du das Konzert verpaßt hast, Augen auf, Gee spielt immer wieder in den Jazzclubs in der Region Stuttgart.

Dritter Turmspringer

Doktor Knut Matsen ist vor drei Jahren gestorben. Er hat vor 40 Jahren den Fellbacher Kunstverein gegründet und war lange Jahre Stadtrat für die Freien Wählerinnen. Darauf zurück gehen der Kunstvereinskeller beim Rathaus mit allem was die Kultur begehrt und das Kunststückle, das zu wärmeren Tagen bespielt wird. Tochter Tina Matsen (Tierärztin wie der Papa) steht dem 400köpfigen Verein nun vor.

Bei der Eröffnung des Spaßbads F3 hatte sich Knut abgesondert und einen Handstand auf dem Dreimeter-Brett absolviert. Stadtphotograph Peter Hartung hatte schnell die Kamera gezückt und den kurzen Moment vom Kunstturner photographiert. Nun im dritten Jahr gab es in Schmiden in einer ehemaligen Industriebrache in Schmiden einen Benefizabend im Gedenken an Knut zugunsten des Tafelladens und des Forums (Zusammenschluß der Seniorenbegegnungsstätten.) Tolles Essen, Getränke, eine Tombola, Schmuck, Kunst, eine Rede des Ersten Bürgermeisters Johannes Berner sowie Moderation von Uwe Kassner und natürlich jede Menge Musik.

Radiopredigt

Vorletzten Sonntag wurde ein Gottesdienst aus der evangelischen Johanneskirche in Oeffingen vom Deutschlandfunk übertragen. Dieser Radiosender ist auf alle Fälle der beste in der Republik. Die Predigt hielt Pfarrer Markus Eckert in seiner Kirche. Er war wie schon der Perkussionist Hans Fickelscher bei der Fellbächerin im Freien Radio zu Gast. Letzterer musizierte bei der Übertragung an der spanischen Cajon mit einem Saxophonisten und einer Sängerin im Trio. Und er ist Kurator bei der Jazzreihe Soul Food, die in eben dieser Kirche schon seit Jahren zelebriert wird mit Ansprache und Brezel und Wein. Markus Eckert hat bereits Erfahrung als Rundfunkpfarrer. Seine Predigt führte uns zu einer Wanderung durch die Berge, die er im Herbst absolviert hat. Sie war wie immer zupackend und klar formuliert.

33. Offene Bühne

Die jüngste Ausgabe mit talentierten Künstlerinnen im Kunstvereinskeller ging im Dezember 2023 über die Bühne. Uwe Kasner hat wie immer witzig und gekonnt moderiert, Doris Finkelmeier hat geladen, es war eine familiäre Atmosphäre. Begonnen hatte Sascha Santorineos aus Stuttgart, der seine deutschen Texte zum Alltag mit Gitarre und Mundharmonika begleitete. Danach dann der Dichter Dietmar Wielgosch aus Kaufbeuren, der seine eigenen Reime frei und auswendig vortrug. Dritter Punkt war Sabrina Catowiez aus Bamberg an der elektronischen Saz (das ist eine türkische Langhalslaute und schwer zu spielen). Dazu sang sie mit tiefer Stimme und operierte dazu mit elektronischen Schlaufen. Nach der Pause stieg dann ich auf die Bühne und trug meine Politik- und Liebesgedichte vor. Gelächter beim “Helmutunser” und Raunen bei “die Pflanze in mir”. Abschließend dann das Trio MoRe & Friends mit Gitarre, Cajon und Gesang aus Tübingen/Aichwald mit Musik von Wolle Kriwanek bis Hawaii.

cosmoacustico

Vor Kurzem spielte dieses Weltmusik-Quartett im Kunstvereinskeller am Rathaus auf. Kopf des Ganzen ist die Inderin Fauzia Maria Beg (Gesang). Ihr Musikgeschmack erstreckt sich weltweit, ein Zubrot verdient sie sich im Klassik-, Jazz- und Weltmusikscheibenhändler Einklang am Charlottenplatz in Stuttgart. Der Perkussionist Martin Romero, eng mit Fellbach verbunden, vertrat den lateinamerikanischen Kontinent als Kolumbianer, er lebt schon lange bei uns und war bei Gründung der Redaktion Jazz funkt im Freien Radio für Stuttgart dabei. Dazu noch Andrej Lebedev an der Gitarre, er ist Russe, was mensch aus der Musik nicht heraushört. Und als vierter Weltbürger spielte noch Andreas Renz aus Tübingen mit. Die Gruppe bot Musiktitel hauptsächlich aus Lateinamerika nach weiblichen Sängerinnen dar. Und das Ganze war also Weltmusik aus den Kolonien. Gleichzeitig tobte in der Musikschule ein Nachwuchskonzert von der Kulturgemeinschaft Fellbach, was wohl die ein oder andere hinderte in den legendären Keller des rührigen Kunstvereins zu gehen.

Irisches Konzert im Rathaus

Maire Breatnach (voc, fiddle, viola) und Thomas Loefke (celtic harp) waren die Protagonistinnen bei diesem neunten Konzert der Rathaus-Reihe grenzenlos. Ursprünglich zum Beginn von Corona ins Leben gerufen, hat sich dieser Musik-Reigen zum Selbstläufer entwickelt. Winfried und Brigitte Bauer vom Weltladen (Verein für eine gerechte Welt) fungieren als Kuratorinnen dieser wunderbaren Weltmusik-Konzerte, bei denen Musikerinnen aus der Region Stuttgart in den Brennpunkt gestellt werden.

Der Große Saal im Rathaus war fast voll beim gestrigen Irish-Folk-Auftritt. Das betagte Duo spielte mit einer großen Freude auf, daß es einer warm ums Herz wurde. Gerade jetzt, wo wir wegen Putin frieren müssen. Kenntnisreich die Ansagen von Loefke. Es ging in den Stücken oft um Liebe und die irische Mythologie. Das Ganze war rund und schwingte ungemein. Ach ja, Breatnach war bei Riverdance mit beteiligt, dieser spektakulären Massen-Tanz-Aufführung.