Duo SANGEE

Vergangenen Freitag gaben die wunderbare Gee Hye Lee am Klavier und der Tenorsaxophonist Alexander Sandi Kuhn mit eigenem Stil ein geniales Auftaktkonzert des alljährlichen Oktober-Jazz-Wochenende des Kulturamts im Gewölbekeller im Großen Haus (Kino Orfeo). Mit glücklicher Hand gestaltet von Kristiana Becker, selbst Musikerin und angestellt in dem Amt, das 20 % Kürzung seines Etats erleiden mußte.

Und bekanntlich fällt jetzt zu aller Unglück noch die nächste Triennale Kleinplastik aus. Wollen wir hoffen, daß der Pazifismus der Kultur wieder greift. Das ganze Debakel geht nämlich auf die Sonderaktion des Zaren in der Ukraine zurück. Eine Million Flüchtlinge sind selbstverständlich in Deutschland willkommen, aber das kostet halt Milliarden, die dann in aller Gemeindekassen fehlen. Am besten, Selenski und Putin treffen sich jetzt endlich (mit einem Bruderkuß wie seinerzeit Breschniew und Honecker).

Gee und Sandi haben zusammen an der Stuttgarter Musikhochschule Jazz studiert und jeweils beide haben den Landesjazzpreis erhalten. Nach 30 Jahren als Musikerinnen haben beide der Stuttgarter Musikszene ihren ganz eigenen Stempel aufgedrückt. Und das Duo SANGEE gibt es schon länger, beide spielen auch im Quintett zusammen.

77. Fellbacher Herbst

Für Oberbürgermeisterin Gabriele Zull ist dieses Erntedankfest der Jahreshöhepunkt. Also mehr als Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Von ihr stammt wieder der Spruch zum Festival: “Neue Köpfe fürs Land, neuer Wein fürs Leben. Fellbach feiern, Zukunft geben!” Erwartet werden 250.000 Menschen bei den Schaustellerinnen und beim Umzug Morgen von der Neuen Kelter zur Schwabenlandhalle. Dort die mit Spannung erwartete Rede von Frau Zull, anschließend ein Empfang für geladene Gäste innen. Es folgt das Partneressen mit Stadträtinnen und Delegationen der Partnerstädte. Auch das Fellbachhaus kommt aus Suhareke im Kosovo. Viele Menschen in Fellbach stammen aus dieser Stadt, die jetzt aber endlich vom Zustand der Freundschaft zur Partnerstadt wechseln soll. Ebenso ist Ciriati in Kalabrien dringend die Partnerschaft zu verordnen. Der Bundesvorsitzende der Linkspartei, Luigi Pantisano MdB, stammt von dort und er hat in Fellbach Bauzeichner gelernt. Ein neuer Kopf, ebenso wie Cem Özdemir, der wohl noch nie in Fellbach war. Meine ehemaligen Parteifreundinnen aus der grünen Fraktion mögen mich korrigieren. Am Sonntag ist verkaufsoffen der Nord-Süd-Tangente entlang. Selbst die CDU traut sich auf die Piste mit einem Info-Stand.

Lange Nacht der Demokratie

Ja, die gab es auch in Fellbach am 2. Oktober 2026 und zwar in der Volkshochschule am Bahnhof. Weltladen-Aktivist Winfried Bauer, der die Aktion für Demokratie, Vielfalt und Gerechtigkeit ins Leben gerufen hat, bastelte ein buntes Programm zusammen an dem Abend, das in den drei Stunden nie langweilig war. Die Leiterin der Volkshochschule Unteres Remstal, eine ehemalige Genossin, Doktorin Stefanie Köhler, kam zum Grußwort. Für das Rathaus hielt Karin Rothenhäusler, Amtsleiterin für Soziales und Teilhabe eine Rede. OB Zull hatte sich entschuldigt.

Die Bücherei Lack mit neuer Leitung setzte sich für linke Literatur ein. Der Waiblinger Jungschriftsteller Quintus Gärtner stellte sein Buch bei Rowohlt vor. Er war Bundesschülersprecher und bekam deshalb schon mit 19 Jahren die Gelegenheit, die Interessen der Jugend zu präsentieren, die oft unter denTeppich gekehrt werden. Dann gab es noch ein Filmprojekt mit Flüchtlingen, die Geld sammeln, da alle Sender als Produzentinnen ausfallen. Yakup Ismailoglu vom Türkischen Verein hielt eine freie Rede. Doktorin Lucimara Brait-Poplawski, eine weitere Genossin, berichtete zum Thema Einwanderung aus wissenschaftlicher Sicht.

Kulturbeiträge gab es auch. Coro mi canto von der klassischen Pianistin Poldy Tagle, sang vier Lieder von Mercedes Sosa. Und die Liedergruppe von der Mozartstraße spielte auf. Gekrönt wurde das Ganze von Syrern mit einem Duo Oud und Darbuka und einem Solo auf letzterer. Im Zusammenhang mit dem Flüchtlingstreff PLEKS.

Und hinten im Raum gab es noch Informationsstände und Essen und Trinken. Selbst die Stadtwerke waren als Sponsor und mit Geschäftsführer Gerhard Ammon präsent. Er, der schon beim Neujahrsempfang als Redner geglänzt hatte, hielt sich diesmal sichtlich zurück.

Vierte Kosovo-Reise

Der Kosovo ist immer eine Reise wert. Auch wenn der Tourismus dort noch in den Kinderschuhen steckt und die Republik seit 22 Jahren unabhängig ist. Alle Kriegsspuren sind schon längst beseitigt, die Albaner aus dem Kosovo sind nicht nur herzlich und gastfreundlich, sondern auch fleißig.

Wir waren letzte Woche eine kleine Reisegruppe unter der Leitung von Sadik Zogay, dem Begründer des albanischen Kulturverein Fellbach, er stammt aus Suhareke. Wir staunten Bauklötze, was wir alles sahen: eine Schuhfabrik, die größte Energiegetränk-Fabrik im Balkan, das größte Weingut in Europa. Leider mußte das Erntedankfest Festari mittendrin aus politischen Gründen abgesagt werden. Umzug und Gala fielen aus. Trotz allem erlebten wir noch die Ernte der Künstlerkolonie. Hier wurden Bilder gemalt und an die Stadt Suhareke gespendet. Ebenfalls eine lange Tradition, die genauso wie das Festari 25 Jahre währt.

Wir waren dann noch im Luftkurort Prevalla und haben dort wie überall die üppige kosovarische Küche genossen und den Wein und das Bier. Gestern flogen wir mit erfüllten Gedanken zurück von Prishtina nach Stuttgart und freuen uns schon auf nächstes Jahr, wenn Sadik wieder zusammentrommelt und zum elften Male eine Reisegruppe aus Fellbach in die Wirtschaftsmetropole Suhareke zusammenstellt.

49. Fiesta International

Na also, geht doch. Knapp 20 Nationalitäten feierten zusammen ein Fest ohne Animositäten. Das Ganze in Fellbach auf dem Guntram-Palm-Platz vor der Schwabenlandhalle. Essen und Trinken bis zum Abwinken, von den Einwandererinnenvereinen liebevoll zubereitet und ausgeschenkt. Dazu eine Bühne mit Darbietungen von Tänzen und Musik. Passend zur gegenwärtigen Hitzewelle. Hervorragend die Tänze aus dem Kosovo mit rot, weiß und schwarzen Trachten.

Oberbürgermeisterin Gabriele Zull gab wieder ihren Segen zur Eröffnung. Für sie ist es das zweitwichtigste Fest in Fellbach nach dem Erntedank-Herbst. Selbst das PLEKS war mit einem Zelt vertreten. Es ist dies ein Landeszentrum für Flüchtlinge, angesiedelt in Fellbach in Rufweite zum KunstWerk. Federführend bei der Gründung der Fiesta war seinerzeit Winfried Bauer, der mittlerweile die Bewegung für Demokratie und Vielfalt anführt.

Weltformel

Alle Autokraten lebenslänglich wegsperren. Dann gibt es keine Kriege mehr. Diese sind ja keine Naturkatastrophen, sondern von einer Handvoll alter weißer Männer verursacht und durchgeführt. Und die Vereinten Nationen haben sich beispielsweise in Ruanda und Bosnien nicht mit Ruhm bekleckert. Der Sicherheitsrat war verantwortlich für sämtliche Kriege nach 1945, die fast alle in den Kolonien stattfinden.

Bürgerkrieg

Um Silvester herum wurde die einzige kostenlose öffentliche Toilette Fellbachs am Rathaus von Gewalttäterinnen abgefackelt und zertrümmert. Angesichts der Zerstörung von Fenstern der Lutherkirche Monate vorher nimmt diese Gewalt gegen Autoritäten im Rathaus und den Kirchen eine neue Dimension ein. Da kommt allerhand zusammen: Faschismus in den Kolonien, Protest gegen das Pandemie-Regiment. Es wurde ja schon bei Beginn von Corona ein Bürgerkrieg in Deutschland vorhergesagt. Nun kam noch die Erweiterung des Krieges im Donbas auf die komplette Ukraine durch Agent 0815 Wladimir Wladimirowitsch hinzu. Es breitete sich bei uns die Befürchtung aus, daß dieser Krieg zu uns überschwappt und in der Tat, wir haben in unserem Staat eine Million Ukrainerinnen aufgenommen, bei denen die Böllerei an das Trauma ihres Krieges gemahnte. Die Tiere bekamen Panik und Herzinfarkte, nur weil eine Handvoll Schwachsinnige meinten, sie müßten nach zwei Jahren Pause wieder die Sau rauslassen. Abgesehen von der Tatsache, daß die nicht in der Lage waren, ihre Tonnen von Müll, den sie nach vollbrachter Tat auf den Straßen und Wegen liegen ließen, wegzuräumen.

Reise in den Kosovo

Suhareke hat 50.000 Einwohner und ist mit Fellbach befreundet. Eine elfköpfige Delegation, bestehend aus Stadträtinnen und Rathausamtsleiterinnen, flog im September 2022 unter Leitung der Baubürgermeisterin Beatrice Soltys von Stuttgart nach Pristina, um dann auf einem Stück der Autobahn nach Albanien der kosovarischen Stadt einen zweitägigen Besuch abzustatten. Der Leiter des Fellbach-Hauses war unser treuer Reiseführer. Er hat während des Kriegs in einem Keller Deutsch studiert. Weil keine von uns ein einziges Wort albanisch sprach, waren wir froh, daß er dolmetschte. Viele Kosovarinnen sprechen in der Tat Deutsch, in Fellbach sind diese Menschen die drittgrößte Minderheit (900 Personen).

Die Gastfreundschaft im Kosovo ist legendär, überall wurde üppig aufgetischt. Während unseres Aufenthalts tobte das Festari, ein Kulturfestival mit Musik, Tanz und Erntedank. Wir besuchten ein Rehabilitationszentrum und natürlich das 20jährige Fellbach-Haus. Dort gab es einen Englisch-Kurs für Kinder, Ballettunterricht für Kinder, eine Tanzgruppe und Musikunterricht mit einem einschlagenden Rock-Trio. Könnte sein, daß die bald in Fellbach auftreten. In den Bergen ist ein Hotel mit Schwimmbad, dort wohnten zeitgleich 7 Menschen des Kunstvereins und malten in der dortigen Künstlerkolonie. Außerdem besuchten wir das Stadtmuseum mit römischen und steinzeitlichen Fundstücken. Und den Photos von jungen Soldaten, die im Krieg umgebracht wurden. Sie werden als Märtyrer verehrt.

Jüngst ist der Fußballklub von Suhareke, der von einem ehemaligen Bundesligaprofi von Hertha BSC Berlin geleitet wird, der FC Ballkani, kosovarischer Meister geworden. Sie treten mittlerweile in der Europa-Liga an, ihre Spiele bestreiten sie in Pristina, zu Hause gibt es nur einen Kunstrasen zum Trainieren. Und der dortige Baskettballverein war bereits zweimal Kosovo-Meister. Wir besuchten beide Vereine.

Trotz all dieser Erfolge finden wenig studierte Kosovarinnen einen Arbeitsplatz zu Hause. Viele suchen ihr Glück im Ausland. Es gibt keine Omnibuslinien, keine Zugverbindungen, keine Fahrradfahrerinnen und keine Fußgängerinnen. Alles wird mit dem Auto absolviert. Dafür ist das Gebirge rund herum 1900 Meter hoch. In die dortigen Wälder flüchteten sich die Menschen während des Krieges. Trotz allem ist Suhareke eine aufstrebende Stadt, unsere Delegation war sehr beeindruckt von allem.

Mein Parteiwechsel

Zum Ende August bin ich aus der Partei Die Linke ausgetreten und werde zum Anfang September in die SPD eintreten, mein Gemeinderatsmandat behalten und mich in der SPD-Fraktion einbringen, die mich einstimmig aufgenommen hat.

Mein Austrittsgrund aus Den Linken ist hauptsächlich deren in meinen Augen falsche Ukraine-Politik. Meiner Meinung nach wäre mit schweren Waffenlieferungen aus der Europäischen Union an die Ukraine ab dem 24. Februar der Krieg schon längst zu Ende. Solche ähnlichen Stimmen werden in der Partei der Friedensfreund*innen ignoriert. Darüber hinaus hat sich die Partei schon längst von der Öffentlichkeit getrennt und kreist nur noch um sich selber, ohne ein Gehör für die Menschen vor Ort zu haben. Die Partei wird sich mit ihren unzähligen gegensätzlichen Strömungen früher oder später auflösen.  

Mein Eintrittsgrund in die SPD: ich war bereits schon 14 Jahre in der SPD und wurde da immer mit Respekt behandelt. Die 100 Milliarden Sondervermögen für die Bundeswehr finde ich schlüssig. Als Obergefreiter habe ich zwar eine gesunde Abneigung gegen das Militär, bin nun aber davon überzeugt, daß wir mit dem jetzigen Zustand uns nicht gegen Aggressoren wie den russischen Präsidenten Wladimir Putin wehren können. All die Anderen mit Gewalt Regierenden werden von einer friedlichen Grundhaltung in der deutschen Gesellschaft nicht beeindruckt. Die SPD mit Bundeskanzler Olaf Scholz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier haben viel Gutes getan und sie sind für mich ein Lichtblick in der Bundespolitik. Und in Fellbach ist die SPD gut aufgestellt und sollte wieder mit alter Stärke in den nächsten Gemeinderat gewählt werden. Und diese SPD ist schon von Anfang an als einzige Fraktion geschlossen gegen den Schwabenlandturm und das private Spaßbad F3. Abgesehen von den vielen sozialen und ökologischen Errungenschaften dieser Partei in der Kappelbergstadt.  

Fellbach-Haus

Im Kosovo kennt jede das Haus, das von Fellbach aus geplant und nach dem Krieg von 1999 in der Stadt Suhareke realisiert wurde. Auf Anstoß von Harald Raß (SPD) und Hans-Ulrich Spieth (CDU) flog seinerzeit eine Delegation mit dem alten Oberbürgermeister Friedlich-Wilhelm Kiel (FDP) und dem frisch gewählten Oberbürgermeister Christoph Palm (damals noch parteilos, später MdL CDU) in das Städtchen, um die Idee eines Zentrums für vom Krieg traumatisierte Menschen umzusetzen. Dies gelang dann die Jahre über unter Federführung der Organisation Bilderberg von Suzana Lipovac aus Stuttgart, die diese mutige und tapfere Frau für kriegsamputierte Kinder im Bosnien-Krieg gegründet hat und aktuell viel in Afghanistan arbeitet.

Die Fellbacher-Rathaus-Mitarbeiterin Marion Maiwald hatte das Projekt unter ihrer Obhut. Der Gemeinderat gab eine erkleckliche Finanzpritze für das Zentrum. Der ursprüngliche Gedanke der Arbeit mit Traumen wurde dann von der Reaität überholt. Mittlerweile gibt es dort Computerkurse und Ähnliches. Viele Besucherinnen aus der Politik schauen sich das Fellbach-Haus vor Ort an. Es ist auch zum Tourismus-Ziel geworden. Die Kriegsfolgen sind noch nicht vernarbt, aber für viele Kosovarinnen ist das Ganze ein Leuchtturm.