die Fellbächerin

Dieter Keller

ist seit 1983 wohnhaft in Fellbach und dort Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Er hat es sich nicht nehmen lassen zur allerersten Sendung “die Fellbächerin” in das Freie Radio nach Stuttgart zu kommen am 15. Juli 2018. Dieter ist Kommunist und er war Landesvorsitzender der Deutschen Kommunistischen Partei in Baden-Württemberg. Angefangen hatte alles beim Mannheimer Motoren Werk, wo Dieter im Betriebsrat saß. Er hatte auch beim SV Waldhof gegen den Fußball getreten.

In Fellbach selbst hat sich Dieter zuerst für den Frieden eingesetzt, ausgehend vom zweiten Golfkrieg 1990. Damals hatte Saddam Hussein Kuwait besetzt. Die Folgen sind bekannt. Es geht immer nur um das Öl, das hauptsächlich die Europäer geklaut haben. Damals pflanzte die Gewerkschaft einen Friedensbaum am Jugendhaus. Da die Jungen keinen Zugang fanden, verpflanzte mensch das Bäumchen unter Duldung des Oberbürgermeister Christoph Palm mehr in Richtung Rathaus. Immer am Antikriegstag, dem 1. September gibt es dort ein Referat und anschließend ein Kulturprogramm.

Desweiteren tobte ein Jahr lang in der Fellbacher Zeitung ein Leserkrieg. Es ging um die Umbenennung zweier Straßen: Hindenburg und Ernst Heinkel waren Schwerverbrecher in der Nazi-Zeit. Der Vorschlag von Dieter, doch diese Straßen für Antifaschistinnen umzubenennen, wurde von der konservativen Mehrheit im Gemeinderat niedergestimmt.

Zusätzlich setzt sich die Gewerkschaft gegen den Nordostring ein. Hier soll eine Autobahn über das Schmidener Feld gezogen werden, worunter Anwohnerinnen und Landwirtinnen zu leiden haben. Wo Straßen gebaut werden, wird Verkehr geerntet. Statt dessen sollten Bus und Bahn verbilligt werden.

Dieter brachte die Musik mit, Liedermacher allerbester Qualität: Bernd Köhler (Schlauch) ist ein alter Kumpel aus der Mannheimer Zeit, und das Trio Reinhard Mey, Hannes Wader und Konstantin Wecker. Diese drei Giganten sind gemeinsam aufgetreten.

Christian Hinrichsen

ist ein Phänomen. Er ist der einzige Gemeinderat im ganzen Rems-Murr-Kreis (in Fellbach) und sitzt mit dem Großheppacher Stephan Kober im Kreistag. Christian war der zweite Gast bei der Fellbächerin im Freien Radio am 19. August 2018. Aus dem Stand bei der Kommunalwahl rückte das Gründungsmitglied der Linken 2014 sowohl in den Gemeinderat und Kreistag ein. Das war natürlich dem zähen Ackern und Kontakte knüpfen im Vorfeld geschuldet.

Christian ist jeden Tag 20 Stunden für die gute Sache unterwegs. Er fährt von A nach B, teilweise zu 8 Terminen pro Tag, um den Leuten zu helfen. Darüber hinaus verreist er an seinem Urlaub nicht, sondern hospitiert tageweise in sozialen Einrichtungen. Aktuell zum Beispiel war er in der Erlacher Höhe, einer Einrichtung zur Seßhaftmachung von Wohnsitzlosen.

Ursprünglich ist er Weinküfer bei der Remstalkellerei in Beutelsbach und dort über 20 Jahre im Betriebsrat. Außerdem ist er noch Schöffe am Arbeits- und Verwaltungsgericht. Er setzt sich für die Einwanderinnen ein, so ist seine Frau Thailänderin. Außerdem sind ihm die Jungen ganz wichtig, er kommt immer zu den Sitzungen des Jugendgemeinderats. Die Flüchtlinge liegen ihm am Herzen. So ist es selbstverständlich, daß er sich beim Migrationsbeirat einbringt, da er als Einzelkämpfer nicht in die Ausschüsse darf.

Ach ja: die nächste Kommunalwahl steht im Mai 2019 bevor. Vielleicht kann die Linkspartei den Sitz in Fellbach verdoppeln oder sogar verdreifachen. Im letzten Fall wäre Fraktionsstatus erreicht.

Der Traum ist zu Ende, Christian ist vor der Wahl aus der Partei ausgetreten und hat eine eigene Liste gegründet. Er wurde knapp nicht gewählt, der Genosse amokfisch hatte mehr Stimmen in Fellbach und ist jetzt wiederum der einzige LINKEN-Gemeinderat im Landkreis.

Joseph Michl

kam im November 2019 zur Fellbächerin. Er hat sein halbes Leben in den Kampf gegen den sogenannten Nord-Ost-Ring gestellt. Der diplomierte Landwirt ist Vorsitzender von der ARGE Nord-Ost, einem Verein, der die geplante Autobahn von Waiblingen über Fellbach und Neckarrems, Kornwestheim verhindern will. Zu seinen Lebzeiten hat der Bundestagsabgeordnete Herrmann Scheer (SPD) das Projekt zu verhindern gewußt, bis er dann zu früh verstorben ist. Im Grunde hört sich das Ganze logisch an: eine vierspurige Nordostumfahrung als Ringschluß um Stuttgart.

Aber das Ding ist nix: die Äckerböden sind ausgezeichnet und genauso wie die Pflanzen und Tierwelt gefährdet. Der Ring würde viel zu viel Verkehr zusätzlich anziehen und die Klimakatastrophe verschärfen.

Joseph Michl stammt aus Freiburg, wo er Abitur gemacht hat und sich bei dem Widerstand gegen das Atomkraftwerk Whyl politisiert. Er unternahm eine Fahrradtour nach Griechenland und wollte im Studium per Anhalter durch die Sahara nach Ghana, was nicht ganz geklappt hat: er blieb an der marokkanisch-algerischen Grenze hängen.

Er war lange Jahre Bezirksbeirat in Zuffenhausen für die Grünen, bei denen er von Anfang an dabei war. Nach Einholung von Expertenmeinungen lehnt er auch den Nord-Ost-Tunnel ab. Die ARGE Nord-Ost ist ein Sammelsurium von Organisationen und 150 Einzelpersonen und trifft sich mindestens monatlich in Mühlhausen.

Es gibt mindestens zwei Antworten auf diese Verkehrsfrage: erstens die Schuster-Bahn von Untertürkheim bis Kornwestheim, die nicht fährt und zweitens die Stadtbahn von Waiblingen nach Ludwisgburg, die in den Planungen nicht vorwärts kommt. Beide Pojekte werden von den Autobahnern behindert.

Die beiden CDU-Bundestagsabgeordneten Pfeiffer und Barthle wollen diesen Ringschluß, die Grünen nicht (Ministerpräsident, Stuttgarter Oberbürgermeister, Regierungspräsident und Landesverkehrsminister).