Sharon Dodua Otoo

Ein weiterer Höhepunkt der mittlerweile beendeten 15. Triennale Kleinplastik Fellbach war der Besuch der Schriftstellerin Otoo, die extra aus Berlin angereist war am 8. September 2022, in eben der Alten Kelter. Die Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin von 2016, die in London aufgewachsen ist, brachte ihren ersten Roman mit: Adas Raum (S.Fischer). Daraus las die fleißige Autorin. Das Buch spielt auf vier Ebenen, von denen Otoo hin und her springt: 1459 in Westafrika, 1848 in London, 1945 in einem KZ und 2019 in Berlin. Unter Anderem der Bezug zum Kolonialismus brachte der Germanistin die Einladung nach Fellbach, da die Triennale viele Bezüge bei den ausstellenden Künstlerinnen zum Thema bot.

Reise in den Kosovo

Suhareke hat 50.000 Einwohner und ist mit Fellbach befreundet. Eine elfköpfige Delegation, bestehend aus Stadträtinnen und Rathausamtsleiterinnen, flog im September 2022 unter Leitung der Baubürgermeisterin Beatrice Soltys von Stuttgart nach Pristina, um dann auf einem Stück der Autobahn nach Albanien der kosovarischen Stadt einen zweitägigen Besuch abzustatten. Der Leiter des Fellbach-Hauses war unser treuer Reiseführer. Er hat während des Kriegs in einem Keller Deutsch studiert. Weil keine von uns ein einziges Wort albanisch sprach, waren wir froh, daß er dolmetschte. Viele Kosovarinnen sprechen in der Tat Deutsch, in Fellbach sind diese Menschen die drittgrößte Minderheit (900 Personen).

Die Gastfreundschaft im Kosovo ist legendär, überall wurde üppig aufgetischt. Während unseres Aufenthalts tobte das Festari, ein Kulturfestival mit Musik, Tanz und Erntedank. Wir besuchten ein Rehabilitationszentrum und natürlich das 20jährige Fellbach-Haus. Dort gab es einen Englisch-Kurs für Kinder, Ballettunterricht für Kinder, eine Tanzgruppe und Musikunterricht mit einem einschlagenden Rock-Trio. Könnte sein, daß die bald in Fellbach auftreten. In den Bergen ist ein Hotel mit Schwimmbad, dort wohnten zeitgleich 7 Menschen des Kunstvereins und malten in der dortigen Künstlerkolonie. Außerdem besuchten wir das Stadtmuseum mit römischen und steinzeitlichen Fundstücken. Und den Photos von jungen Soldaten, die im Krieg umgebracht wurden. Sie werden als Märtyrer verehrt.

Jüngst ist der Fußballklub von Suhareke, der von einem ehemaligen Bundesligaprofi von Hertha BSC Berlin geleitet wird, der FC Ballkani, kosovarischer Meister geworden. Sie treten mittlerweile in der Europa-Liga an, ihre Spiele bestreiten sie in Pristina, zu Hause gibt es nur einen Kunstrasen zum Trainieren. Und der dortige Baskettballverein war bereits zweimal Kosovo-Meister. Wir besuchten beide Vereine.

Trotz all dieser Erfolge finden wenig studierte Kosovarinnen einen Arbeitsplatz zu Hause. Viele suchen ihr Glück im Ausland. Es gibt keine Omnibuslinien, keine Zugverbindungen, keine Fahrradfahrerinnen und keine Fußgängerinnen. Alles wird mit dem Auto absolviert. Dafür ist das Gebirge rund herum 1900 Meter hoch. In die dortigen Wälder flüchteten sich die Menschen während des Krieges. Trotz allem ist Suhareke eine aufstrebende Stadt, unsere Delegation war sehr beeindruckt von allem.

Parteiwechsel in der Presse

Nachdem die Fellbacher Zeitung und der Fellbacher Stadtanzeiger meine Pressemitteilung fast vollständig aufgriffen, hat die Waiblinger Kreiszeitung noch eins draufgelegt. Deren stellvertretender Chefredakteur Peter Schwarz, selbst überhäuft mit Preisen, bat mich zum Gespräch. Das Ergebnis stand nun gestern im Kreisteil (Winnenden, Waiblingen, Schorndorf und Welzheim). Eine halbe Seite mit Photo und der Überschrift „Ein kapitales Mißverständnis“ zu einem Dialog, der für Schwarz etwas verstörend war.

Viel zum Kreisverband DER LINKEN Rems-Murr, nichts zur SPD. In keinem Wort wird mein Stadtratsmandat erwähnt, das doch für mich der Mittelpunkt der letzten drei Jahre war. Und auch kein Wort zu meinen über 10.000 gesendeten Stunden im Freien Radio für Stuttgart. Mit meinen Formaten volxmusik, AnStifterFunken, Jazzfrühstück und die Fellbächerin. Ebenso unerwähnt meine 20 Jahre Vollzeit (40 Stundenwoche) in der Öffentlichkeitsarbeit im Stuttgarter Theaterhaus, dem zweitgrößten Kulturprojekt seiner Art in Europa.

Hier meine vollständige Biographie: http://www.amokfisch.de/blog/?page_id=74

Mein Parteiwechsel

Zum Ende August bin ich aus der Partei Die Linke ausgetreten und werde zum Anfang September in die SPD eintreten, mein Gemeinderatsmandat behalten und mich in der SPD-Fraktion einbringen, die mich einstimmig aufgenommen hat.

Mein Austrittsgrund aus Den Linken ist hauptsächlich deren in meinen Augen falsche Ukraine-Politik. Meiner Meinung nach wäre mit schweren Waffenlieferungen aus der Europäischen Union an die Ukraine ab dem 24. Februar der Krieg schon längst zu Ende. Solche ähnlichen Stimmen werden in der Partei der Friedensfreund*innen ignoriert. Darüber hinaus hat sich die Partei schon längst von der Öffentlichkeit getrennt und kreist nur noch um sich selber, ohne ein Gehör für die Menschen vor Ort zu haben. Die Partei wird sich mit ihren unzähligen gegensätzlichen Strömungen früher oder später auflösen.  

Mein Eintrittsgrund in die SPD: ich war bereits schon 14 Jahre in der SPD und wurde da immer mit Respekt behandelt. Die 100 Milliarden Sondervermögen für die Bundeswehr finde ich schlüssig. Als Obergefreiter habe ich zwar eine gesunde Abneigung gegen das Militär, bin nun aber davon überzeugt, daß wir mit dem jetzigen Zustand uns nicht gegen Aggressoren wie den russischen Präsidenten Wladimir Putin wehren können. All die Anderen mit Gewalt Regierenden werden von einer friedlichen Grundhaltung in der deutschen Gesellschaft nicht beeindruckt. Die SPD mit Bundeskanzler Olaf Scholz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier haben viel Gutes getan und sie sind für mich ein Lichtblick in der Bundespolitik. Und in Fellbach ist die SPD gut aufgestellt und sollte wieder mit alter Stärke in den nächsten Gemeinderat gewählt werden. Und diese SPD ist schon von Anfang an als einzige Fraktion geschlossen gegen den Schwabenlandturm und das private Spaßbad F3. Abgesehen von den vielen sozialen und ökologischen Errungenschaften dieser Partei in der Kappelbergstadt.  

Joo Kraus Trio

Am vergangenen Freitag spielte ein wunderbares Jazz-Trio um den Ulmer Trompeter und Flügelhornisten Joo Kraus herum innerhalb der Kleinplastik-Triennale in der Alten Kelter auf. Mit von der Partie waren die beiden Landesjazzpreisträger Jo Ambros an der Gitarre und Sebastian Schuster am Kontrabaß. Auf Anfrage von Kristiane Becker vom Kulturamt stellte der Echo Jazz-Preisträger und ehemalige Hälfte von Tab Two, Joo Kraus, diese tolle Formation zusammen, extra für Fellbach. Die Drei spielten trotz der Hitze, wegen der Kraus sein Flügelhorn nicht spielen konnte, wunderbar in sich gekehrt und hochkomplex. Es war eine Wohltat, mal wieder solch ein hochkarätiges Jazzkonzert in Fellbach zu erleben.

Fellbach-Haus

Im Kosova kennt jede das Haus, das von Fellbach aus geplant und nach dem Krieg von 1999 in der Stadt Suhareke realisiert wurde. Auf Anstoß von Harald Raß (SPD) und Hans-Ulrich Spieth (CDU) flog seinerzeit eine Delegation mit dem alten Oberbürgermeister Friedlich-Wilhelm Kiel (FDP) und dem frisch gewählten Oberbürgermeister Christoph Palm (damals noch parteilos, später MdL CDU) in das Städtchen, um die Idee eines Zentrums für vom Krieg traumatisierte Menschen umzusetzen. Dies gelang dann die Jahre über unter Federführung der Organisation Bilderberg von Suzana Lipovac aus Stuttgart, die diese mutige und tapfere Frau für kriegsamputierte Kinder im Bosnien-Krieg gegründet hat und aktuell viel in Afghanistan arbeitet.

Die Fellbacher-Rathaus-Mitarbeiterin Marion Maiwald hatte das Projekt unter ihrer Obhut. Der Gemeinderat gab eine erkleckliche Finanzpritze für das Zentrum. Der ursprüngliche Gedanke der Arbeit mit Traumen wurde dann von der Reaität überholt. Mittlerweile gibt es dort Computerkurse und Ähnliches. Viele Besucherinnen aus der Politik schauen sich das Fellbach-Haus vor Ort an. Es ist auch zum Tourismus-Ziel geworden. Die Kriegsfolgen sind noch nicht vernarbt, aber für viele Kosovarinnen ist das Ganze ein Leuchtturm.

Kommunalakademie

Schon seit langer Zeit veranstaltet die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung sechstägige Seminare für Menschen, die Gemeinderätin werden wollen oder dies schon sind. Ich hatte dies schon einmal vor 9 Jahren in Beutelsbach absolviert. Es hat geklappt, allerdings nicht für die SPD sondern DIE LINKE vor drei Jahren. Veranstaltet und organisiert wird das Ganze von gestandenen Kommunalpolitikerinnen aus Baden-Württemberg.

Jeder Tag beinhaltet zwei Impulsreferate von Professorinnen und Lehrbeauftragten aus der Praxis, nachdem eine Auflockerungspraxis zu Tagesanfang durchgeführt wird. Darauf folgt eine Gruppenübung, um das Wissen zu verarbeiten. Hinzu kommen Kamingespräche. Zuletzt 2022 mit dem unkonventionellen Oberbürgermeister aus Überlingen, dem frisch gewählten Kreisvorsitzenden Rems-Murr Benedikt Paulowitsch, Bürgermeister für Kernen und besonders Evelyn Gebhardt, die knapp 30 Jahre Abgeordnete im europäischen Parlament war. Alles dies natürlich Genossinnen der SPD. Bis auf eine Teilnehmerin der Grünen und einem DER LINKEN waren alle anderen 20 mit SPD-Bezug.

So etwas gibt es weder bei der Heinrich-Böll-Stiftung, noch bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Es waren drei Module jeweils freitags und samstags mit Übernachtung im Erholungsheim in Herrenberg-Gültstein und leckerem Essen, alles zusammen für nur 150 Euro. Dieses Geld ist bestens investiert. Und die ganze Sache macht einen Riesenspaß. Unter die Gesellschaft der Teilnehmenden gesellte sich auch Holger Niederberger, neuer Bürgermeister von Berglen, den ich bald in seinem Rathaus in Oppelsbohm besuchen werde.

Gitarrenkonzert

In der evangelischen Dionysios-Kirche in Schmiden gab es gestern, dem 7. Mai 2022 den fulminanten Auftakt einer Gitarren-Solo-Konzert-Reihe. Pfarrer Bernd Friedrich, selbst Gitarrist, hatte die ehemalige Kulturamtsleiterin und amtierende Vorsitzende der Kulturgemeinschaft Fellbach angefragt, diese Reihe ins Leben zu rufen. Christa Linsenmaier-Wolf reagierte prompt und engagierte den ungarischen Ausnahmemusiker Ferenc Snetberger, schon lange wohnhaft in Berlin. 2001 hatte sie ihn bereits zum europäischen Kultursommer der Kappelbergstadt eingeladen und schätzen gelernt.

Snetberger hatte in der rappelvollen Kirche mehrere Stücke improvisiert. Mensch war an Joao Gilberto erinnert, der Bossa Nova-Legende, die versteckt in einem Hotel in Rio wohnte oder an Ralph Towner, den Kopf von Oregon und sowohl im Jazz als auch der Klassik bewährten Welt-Gitarristen. Es gab Anklänge an Johann-Sebastian-Bach, den Orient und Indien. Alles sehr schöne und zeitlose Musik, die Zuhörerinnen aus Fellbach und Umgebung waren jedenfalls hellauf begeistert. Die Reihe wird fortgeführt.

Beitrag DER LINKEN für den Fellbacher Stadtanzeiger vom 4.5.22

Kleine Kinder kennen keinen Rassismus. Im Laufe ihres Lebens wird ihnen diese kranke und künstliche Gesinnung von den Erwachsenen eingepflanzt. Auch wenn wir alle im Gemeinderat froh sind, daß wir gerade keine Rassisten dort haben, gilt es vorzubeugen vor der nächsten Wahl in zwei Jahren. Wir werden deshalb die Stuttgarter Bewegung „Aufstehen gegen Rassismus“ nach Fellbach holen. Am Sonntag, dem 15. Mai von 21 bis 23 Uhr im Freien Radio für Stuttgart bei „der Fellbächerin“ www.freies-radio.de und am Donnerstag, 19. Mai 19 Uhr in der Gaststätte Eintracht am Bahnhof. Mehr dazu und vieles Andere steht auf meiner linken Fellbach-Seite www.rotrosagrün.de Und auf YouTube, wie auf der städtischen Seite, sind unsere Haushaltsreden eingestellt.

Bergfest Gemeinderat

Die Hälfte der gegenwärtigen Amtszeit des Fellbacher Gemeinderats ist überschritten, 5 Jahre dauert das Ganze bis zu den nächsten Wahlen. Grund für einen Rückblick.

Angefangen hatte das Ganze mit einem Paukenschlag. Ich hatte im Gesichtsbuch geschrieben: Kommunalpolitik ist Scheiße, deshalb kommt zu unserer Vereidigung. Das hatte einen Wutsturm ausgelöst, der bis in die Zeitung vordrang. Es wurde in Frage gestellt, warum ich kandidiert hatte und gewählt wurde. Eine Kommentatorin hatte erkannt, daß das sarkastisch von mir gemeint war und mensch das nicht allzu ernst nehmen sollte. Bei der ersten Sitzung im Mai 2019 erschien ich aus Protest in Anzug und Krawatte, die Konservativen in Freizeitkleidung.

Die erste richtige Sitzung bescherte uns einen Rekord: noch nie waren so viele Zuhörerinnen im Rathaus. 150 Eltern mit Kindern besuchten uns, da es um die Erhöhung der Kindertagesstätten-Gebühren ging. Grünrotrosa stimmte dagegen, Schwarzgelb mit ihrer Mehrheit dafür. Damit war die Gebührensteigerung beschlossene Sache.

Der Fellbacher Herbst 2019 mit 200.000 Besucherinnen war ein weiterer Höhepunkt vor Corona. Die 900-Jahr-Feier 2021 war lange im voraus geplant, Kulturamtsleiterin Maja Heidenreich hatte mit ihren Mitarbeiterinnen ein bezauberndes abgespecktes Programm hingezaubert, soweit es halt die Corona-Verordnungen zuließen.

Ich habe 9 Haushaltsanträge gestellt und eine Anfrage. 3 Haushaltsreden durfte ich als Einzelstadtrat halten mit großem Erfolg (die sind auf YouTube).

Ansonsten gab es jede Menge Abstimmungen, Vorlagen. Der Gemeinderat trifft sich monatlich und tagt im Schnitt 5 Stunden überwiegend öffentlich. Zuhörerinnen sind immer willkommen, wobei es für Außenstehende oft nicht ersichtlich ist, worüber gerade debattiert wird.